Dominik Rzepka von der Symrise AG über Teamspirit, Wandel und die Zukunft der internen Kommunikation
Der Schritt von Marketing und PR hin zur globalen internen Kommunikation der Symrise AG fühlte sich für Dominik Rzepka an wie ein Seitenwechsel: von der Kür zur Pflicht der Kommunikation. Zunächst. Was ihn heute, nach zehn Jahren, immer noch an der internen Kommunikation fasziniert, wie er sie weiterentwickelt hat und welche Kompetenzen künftig entscheidend werden, darüber haben wir mit ihm gesprochen – und erfahren, wie man sich bereits zu Lebzeiten mit seiner Arbeit einen Platz im Museum sichert.

Dominik, du hast dieses Jahr im Februar dein 10-jähriges Jubiläum bei Symrise gefeiert. Was fasziniert dich nach so vielen Jahren heute noch an der Global Communication?
Neben den technischen Innovationen und dem trendgetriebenen Entwicklungsumfeld rund um Geschmack, Duft und Ernährung faszinieren mich vor allem die Menschen, die dahinterstehen. In der internen Kommunikation habe ich das große Privileg, mit sehr unterschiedlichen Berufsgruppen im engen Austausch zu stehen. Und das nicht nur mit denjenigen, die unmittelbar an unseren Produkten arbeiten. Auch Bereiche wie HR, IT oder Finanzen tragen täglich zur Innovationskraft von Symrise bei. Diese Vielfalt fasziniert mich bis heute.
Wie würdest du deine Rolle in einem Satz beschreiben?
Spannend, dass ich ausgerechnet mit Leinhäuser darüber spreche. Denn ich sehe mich tatsächlich als eine Art Übersetzer im Unternehmen.
Die strategische Aufgabe der internen Kommunikation besteht insbesondere darin, Information in verständliche Kommunikation zu übersetzen und an die entsprechenden Zielgruppen im Unternehmen zu vermitteln.
Geht es dabei nur um Strategie oder auch um konkrete Themen?
Natürlich geht es auch um Themen. Wir sind eine recht schlanke Abteilung, können aber dennoch einzelne Themen auch weiter über unsere Produkte hinaus angehen. 2024 habe ich beispielsweise eine globale Kampagne zum 150-jährigen Firmenjubiläum geleitet, daraus entstanden ist der Weltvanilletag. Diesen Tag feiern wir jetzt jedes Jahr am 10. April mit Aktionen, die das Thema Vanille für Mitarbeitende rund um den Globus erlebbar machen.
Als eine Art Hommage an den Ursprung des Unternehmens?
Genau. Symrise entstand ja 2003 aus der Fusion zweier Traditionsunternehmen: Haarmann & Reimer und Dragoco. Fast 100 Jahre lang hatten beide Firmen in Holzminden koexistiert – wie zwei große Rivalen im Wettbewerb in derselben Stadt. Irgendwann gerieten beide wirtschaftlich unter Druck und schlossen sich schließlich zu Symrise zusammen.
Der eigentliche Ursprung reicht aber viel weiter zurück: 1874 gründete Dr. Wilhelm Haarmann die Firma Haarmann & Reimer, nachdem es ihm gelungen war, Vanillin – den Geschmack der Vanille – erstmals synthetisch herzustellen. Bis dahin war Vanillearoma ausschließlich aus der natürlichen Vanilleschote gewonnen worden. Die Vanilleschote war ein denkbar knappes Gut. Die Entdeckung veränderte den Markt also von Grund auf. Das synthetische Vanillin hat den Vanillegeschmack ein wenig demokratisiert und markiert zugleich die Gründung der modernen Duft- und Geschmacksstoffindustrie.
Feiert ihr euren Weltvanilletag nur intern oder auch mit Kunden?
2025 haben wir daraus eine Kundenveranstaltung gemacht, im Symrise Penthouse in Manhattan, New York. Das war das erste Mal, dass wir zu einem gemeinsamen Event Kunden aus dem Bereich Scent & Care (Duft & Pflege) und dem Bereich Taste, Nutrition & Health (Geschmack, Ernährung und Gesundheit) eingeladen haben. Schließlich ist der Rohstoff Vanille für beide Geschäftseinheiten relevant. Das war ein sehr, sehr schöner Moment, sowohl extern wie auch intern.
Weshalb intern?
Schon bei der Vorbereitung der Veranstaltung arbeiteten die beiden Symrise-Teams eng zusammen, stimmten ihre Konzepte ab und entwickelten konsistente Botschaften für die Kundenkommunikation. Das war auch für unsere Kunden spannend.
Du kommst ursprünglich aus dem Bereich Marketing und PR. War die interne Kommunikation der logische nächste Karriereschritt?
Ich kannte Symrise bereits durch mein Engagement bei einem Messeveranstalter. Das Angebot kam eher zufällig durch ein Gespräch. Erst war ich skeptisch: Externe Kommunikation gilt im Vergleich zur internen Kommunikation als die glanzvollere Disziplin. Reizvoll wurde die Aufgabe für mich, als ich mich intensiver damit beschäftigte.
In einem komplexen Unternehmen wie Symrise, mit unterschiedlichen Berufsgruppen, Standorten, Ländern und Kulturen, liegt die besondere Herausforderung der internen Kommunikation darin, möglichst viele Mitarbeitende zu erreichen. Das reizt mich bis heute.
Mit eurem gedruckten Mitarbeitermagazin TEAM SPIRIT gelingt euch das sehr gut. Die aktuelle Ausgabe (August 2026) spricht von 12.745 Mitarbeitenden in mehr als 40 Ländern. Wie gelingt euch der Spagat, hochtechnisierte Produkte und Innovationen fachlich anspruchsvoll darzustellen und dennoch familiär und nahbar zu bleiben?
Ich sehe darin keinen Widerspruch. Im Gegenteil. Gerade durch das familiäre Umfeld und den persönlichen Zusammenhalt innerhalb des Unternehmens ist es deutlich einfacher, an die Geschichten heranzukommen.
Bei Symrise wird nicht hinter verschlossenen Türen geforscht und die Kommunikation ausgeschlossen. Im Gegenteil: Die Mitarbeitenden sind stolz darauf, wenn wir über ihre Themen berichten – ob im Magazin, im Intranet oder auf anderem Weg. Dieser persönliche Moment, das Familiäre und Nahbare, wird auch von unseren Vorständen ausgestrahlt.
Wie hat sich die Rolle der Global Communications in den letzten zehn Jahren verändert? Waren etwa die Inhalte des Mitarbeitermagazins schon damals fachlich so anspruchsvoll wie heute?
Das Thema interne Kommunikation hatte bei Symrise schon immer einen hohen Stellenwert, die TEAM SPIRIT gibt es auch schon sehr, sehr lange. Sicherlich habe ich in meiner Zeit als Chefredakteur das Magazin weiterentwickelt. Gerade die fachliche Flughöhe ist natürlich immer eine Gratwanderung, um möglichst viele der Menschen unserer sehr heterogenen Belegschaft zu erreichen.
Welche Impulse hast du hierfür gesetzt?
Vor meiner Zeit war das Magazin sehr stark anhand des Organigramms organisiert: Jeder größere Bereich hatte seine Seiten, und die wurden mit den unterschiedlichsten Themen gefüllt.
Mein Ansatz war es, diese Silos aufzubrechen. Bislang hatte jeder nur das gelesen, was aus dem jeweils eigenen Bereich kam. Ein Magazin mit dem Namen TEAM SPIRIT sollte genau das Gegenteil bewirken: dass die Menschen bei Symrise auch mal sehen, was die anderen machen – auch als Inspiration für die eigene Arbeitsweise.
Daraus entstanden ist die heutige thematische Orientierung: Jedes Magazin hat einen thematischen Schwerpunkt mit drei oder vier großen Themenblöcken. So lassen sich alle Bereiche einfach einbinden.
Dieser Richtungswechsel hat sich ausgezahlt: Du bist als Chefredakteur von TEAM SPIRIT in diesem Jahr mit dem Mercury Excellence Award – dem internationalen Preis für herausragende Leistungen in der Unternehmenskommunikation – ausgezeichnet worden.
Ja. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Der Erfolg gebührt aber dem gesamten Team und allen Mitarbeitenden, die hinter dem Magazin stehen und uns mit Beiträgen versorgen. Pro Ausgabe bin ich in der Regel mit 60 bis 70 Menschen bei Symrise in Kontakt. Damit das so bleibt und wir auch noch besser werden, arbeiten wir gerade daran, neue, digitale Lösungen zu etablieren, die wir auch messen können. Das fehlt bei Print.
Wie würdest du den Teamspirit in einem Satz bei Symrise beschreiben?
Den Teamspirit habe ich bisher an allen Symrise Standorten erfahren, die ich persönlich besuchen durfte. Besonders schöne Momente für mich sind, wenn ich Kollegen und Kolleginnen zum ersten Mal persönlich treffe, wo man zuvor nur virtuell in Kontakt war. Und hier in Holzminden spürt man den Teamspirit auch jenseits der Werkstore, denn es gibt kaum eine Situation im Privatleben, in der Symrise nicht präsent ist.
Wo siehst du denn aktuell die größten Herausforderungen in der internen Kommunikation?
Die größte Herausforderung sehe ich aktuell in der Geschwindigkeit, in der Wandel passiert. Etwa die geopolitische Lage, die uns natürlich auch unmittelbar und mittelbar betrifft und Unsicherheit verursacht. Ein Zustand, den wir Menschen einfach nicht so sehr mögen. Dazu läuft bei uns gerade ein globales Transformationsprogramm, das uns hilft, noch mehr als „One Symrise“ zusammenzuwachsen. Das ist natürlich auch immer wieder Thema in der TEAM SPIRIT oder unseren Intranet-Kanälen.
Um mit dieser Geschwindigkeit Schritt zu halten, müssen wir schnellere Kanäle und Formate entwickeln. Vor allem, um den Mitarbeitenden das Gefühl der Unsicherheit nehmen zu können.
Hast du aus deiner zehnjährigen Praxis bei Symrise ein Beispiel aus der internen Kommunikation, das besonders gut funktioniert hat?
Besonders gutes Feedback bekomme ich zu einer aktuellen Umfrage zur Erneuerung unseres Intranets. Für eine typische Umfrage mit vorhersehbaren Ergebnissen wollte ich keine Zeit und Ressourcen verschwenden. Deshalb haben wir ein Quiz ins Leben gerufen. Ähnlich wie bei den niedrigschwelligen Psychotests in Boulevardzeitschriften erfahren die Teilnehmenden, welcher Kommunikationstyp sie sind.
Jeder der mitmacht, wird dafür mit einem persönlichen Ergebnis belohnt. Wir holen nicht nur Information ein, sondern geben etwas zurück. Und Spaß macht es auch noch.
Was glaubst du, wohin entwickelt sich die interne Kommunikation? Immer mehr ins Digitale, ins Spielerische? Müssen wir viel mehr Gamification machen?
Ich denke, ja. Die Aufmerksamkeitsspanne wird immer geringer. Und es hat ja auch niemand gesagt, dass man keinen Spaß beim Arbeiten haben darf. Deshalb bleibt das Miteinander wichtig und wird von uns gefördert.
Welche Fähigkeiten werden im Bereich Global Communications in den nächsten Jahren noch wichtiger?
Wir müssen in erster Linie besser zuhören. Also erst einmal die Informationen empfangen. Unsere Senderrolle wandelt sich eher zu einer moderierenden Rolle. Ich denke, unsere Aufgabe wird es zukünftig sein, Kommunikationsplattformen bereitzustellen und diese zu moderieren.
Was würdest du in der internen Kommunikation verändern, wenn du freie Hand hättest?
Ich denke, dass wir mit noch mehr Glaubwürdigkeit sehr viel bei den Mitarbeitenden gewinnen würden. Wir gehen auch jetzt schon sehr offen mit unseren Mitarbeitenden um, aber ich möchte noch mehr dafür tun, damit unserer Kommunikation vertraut wird.
Glaubst du, dass das, was du in den letzten Jahren geschaffen hast, bereits Spuren hinterlassen hat?
Seit zwei Jahren ist unser Erlebnismuseum Sensoria – das Haus der Düfte und Aromen – geöffnet. Ich stehe in sehr engem Austausch mit der Museumsleitung und bin sehr stolz, dass dort einige Fotos aus der TEAM SPIRIT als Exponate zu sehen sind. Das ist auch so typisch für Symrise: Jeder arbeitet mit jedem zusammen.
Über die Symrise AG:
Die Symrise AG mit Hauptsitz im niedersächsischen Holzminden ist ein weltweit führender, börsennotierter Hersteller von Duft- und Geschmacksstoffen, kosmetischen Grund- und Wirkstoffen sowie Inhaltsstoffen für die Ernährungs- und Heimtierindustrie. Das Unternehmen entstand 2003 aus einer Fusion und gehört im globalen Markt zu den größten Anbietern seiner Branche.
Seit 2023 begleitet Leinhäuser die Symrise AG in verschiedenen Bereichen der Global Communication. Dazu gehören zum einen die Übersetzungen des Mitarbeitenden Magazins Team Spirit in mehrere Sprachen, zum anderen der Symrise Geschäftsbericht, Pressemitteilungen, Corporate Präsentationen sowie Video-Untertitelungen.
Mehr über Dominik Rzepka erfahren Sie hier.

