Die Diskussion über den Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Audiovideo-Lokalisierung wird häufig auf Geschwindigkeit reduziert – und das nicht ohne Grund. Was vor wenigen Jahren noch Stunden oder sogar Tage in Anspruch nahm, lässt sich heute in erstaunlich kurzer Zeit erledigen. Transkriptionen entstehen automatisch, Untertitel werden auf Knopfdruck generiert und selbst Übersetzungen für Sprechertexte können innerhalb weniger Minuten erstellt werden.

Doch Geschwindigkeit ist nur ein Teil der Gleichung. Wer bereits an einem professionellen AV-Projekt beteiligt war, weiß, dass Tempo allein kein Qualitätsversprechen ist.

Anders als bei klassischen Textübersetzungen müssen hier zahlreiche Elemente perfekt miteinander harmonieren. Sprache, Bild, Musik, Animationen, Einblendungen und Untertitel bilden ein komplexes Gesamtgefüge, das nur dann funktioniert, wenn alle Komponenten exakt aufeinander abgestimmt sind.

Schon kleine Ungenauigkeiten können die Wirkung eines Videos beeinträchtigen. Ein Untertitel, der einen Moment zu früh oder zu spät erscheint, lenkt vom eigentlichen Inhalt ab. Ein Sprechertext, dessen Länge nicht zur Bildsequenz passt, kann den gesamten Rhythmus eines Clips verändern.

Je stärker die zugrunde liegenden Prozesse automatisiert werden, desto deutlicher wird, welche Aufgaben sich bedenkenlos standardisieren lassen – und welche weiterhin menschliches Urteilsvermögen und sprachliches Feingefühl erfordern.

KI beschleunigt die ersten Schritte

Die größten Fortschritte der vergangenen Jahre zeigen sich vor allem in der Automatisierung von Routineaufgaben. Moderne KI-Systeme können gesprochene Inhalte innerhalb kürzester Zeit analysieren und in Text umwandeln. Was früher manuell transkribiert werden musste, steht heute oft schon nach wenigen Minuten zur Verfügung.

Diese Transkripte bilden die Grundlage für zahlreiche weitere Arbeitsschritte. Sie dienen als Ausgangspunkt für Untertitel, Übersetzungen und Sprechertexte und schaffen damit die Basis für die internationale Verwertung audiovisueller Inhalte.

Gerade bei großen Videomengen bietet dies enorme Vorteile. Unternehmen können Inhalte schneller veröffentlichen, Schulungsmaterialien effizienter lokalisieren und internationale Zielgruppen sehr viel früher erreichen.

Doch die automatisch erzeugten Texte sind häufig nur ein erster Entwurf – nicht das fertige Endprodukt.

KI-Übersetzung in der AV

Transkription ist mehr als Spracherkennung

So leistungsfähig moderne KI-Systeme auch sein mögen – sie stoßen weiterhin an Grenzen. Besonders deutlich wird dies bei komplexen Audiosituationen.

Mehrere Sprecherinnen und Sprecher, Hintergrundgeräusche, die Verwendung von Fachbegriffen, Dialekte oder Akzente können dazu führen, dass Inhalte falsch oder missverständlich verschriftlicht werden. Hinzu kommen sprachliche Feinheiten, die von Maschinen nur schwer verlässlich verarbeitet werden können.

Erfahrenen Linguistinnen und Linguisten fällt hingegen sofort auf, wenn eine Aussage zwar technisch korrekt transkribiert wurde, inhaltlich aber nicht dem tatsächlichen Sinn entspricht. Daher gehört die menschliche Qualitätsprüfung nach wie vor zu den wichtigsten Schritten im Prozess.

Erst durch dieses sogenannte Human Editing entsteht ein Transkript, das nicht nur vollständig, sondern auch zuverlässig und professionell nutzbar ist.

Untertitel und ihre Besonderheiten

Ähnliches gilt für die Erstellung von Untertiteln. Viele KI-Systeme erkennen heute automatisch, wann gesprochen wird, und erzeugen entsprechende Untertitel. Das spart wertvolle Zeit und schafft eine solide Arbeitsgrundlage.

Dennoch reicht eine automatisierte Fassung allein selten aus. Untertitel folgen eigenen Regeln, die sich nicht auf sprachliche Korrektheit beschränken. Sie müssen gut lesbar sein, dürfen den Bildschirm nicht überfrachten und müssen zeitgleich mit dem gesprochenen Inhalt erscheinen.

Darüber hinaus stellt sich häufig die Frage, welche Informationen überhaupt angezeigt werden sollen. Gesprochene Sprache enthält Wiederholungen, Füllwörter oder spontane Satzabbrüche, die in geschriebenem Text oft unnötig wirken.

Die Aufgabe professioneller Untertitlerinnen und Untertitler besteht daher nicht nur darin, die automatisch generierten Inhalte auf sprachliche Richtigkeit zu überprüfen, sondern sie für die visuelle Darstellung zu optimieren. Dies umfasst unter anderem die Anpassung an formale Vorgaben wie Zeichenbeschränkungen und die Abstimmung auf das Timing.

Von der Übersetzung zur Vertonung

Besonders spannend wird es bei Voice-over- und Synchronisationsprojekten. Auch hier kann künstliche Intelligenz inzwischen zahlreiche Arbeitsschritte unterstützen.

Aus der ursprünglichen Audiospur wird zunächst ein Sprechertext erstellt. Anschließend erfolgt die Übersetzung in die gewünschte Zielsprache. Moderne Systeme können diesen Prozess heute deutlich schneller durchführen als noch vor wenigen Jahren.

Doch ein guter Sprechertext muss mehr leisten als inhaltliche Korrektheit.

Er muss flüssig klingen, sich angenehm sprechen lassen und zum Rhythmus der Bildsequenzen passen. Formulierungen, die auf dem Papier richtig erscheinen, können bei einer Vertonung schnell sperrig oder unnatürlich anmuten. Deshalb werden KI-generierte Fassungen in der Regel umfassend überarbeitet.

Sprachprofis prüfen den Text, optimieren Satzstrukturen, verfeinern Übergänge und sorgen dafür, dass die spätere Aufnahme möglichst natürlich klingt. Das Ziel ist eine Vertonung, die sich für das Publikum nicht wie eine Übersetzung anhört, sondern wie ein Originaltext.

Die Stimme entscheidet über die Wirkung

Neben dem eigentlichen Text spielt zudem die Wahl der Stimme eine zentrale Rolle. Moderne KI kann heute beeindruckend realistische Ergebnisse bei der Vertonung erzeugen. Dennoch bleibt die Frage, welche Stimme tatsächlich zur Botschaft passt.

Soll die Kommunikation sachlich und vertrauenswürdig wirken? Dynamisch und motivierend? Emotional oder technisch?

Solche Entscheidungen erfordern Kontextverständnis und Fingerspitzengefühl. Ebenso wichtig ist die Abstimmung des Sprechtempos. Manche Szenen benötigen eine ruhige, erklärende Tonalität, andere verlangen Dynamik und Energie.

Die technische Umsetzung mag automatisiert erfolgen, doch die kreative Steuerung bleibt eine Aufgabe, die menschliche Erfahrung und Urteilsvermögen erfordert.

Corporate Language endet nicht mit Videos

Ein weiterer Erfolgsfaktor professioneller AV-Projekte ist die konsequente Einhaltung der Corporate Language. Schließlich soll ein Unternehmen in einem Produktvideo genauso klingen wie auf seiner Website, in Marketingunterlagen oder im Kundenservice.

Insbesondere auf internationalem Parkett ist dies eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. Terminologie, Tonalität und markenspezifische Formulierungen müssen über sämtliche Inhalte hinweg konsistent bleiben.

Deshalb werden Glossare, Satzdatenbanken und Styleguides zunehmend auch in AV-Prozesse integriert. Sie helfen dabei, markenspezifische Vorgaben in Untertiteln und Sprechertexten zuverlässig umzusetzen. Unser neues KI-basiertes Self-Service-Portal GATEWAYᴬᴵ unterstützt diesen Prozess, indem es Ihre vorhandenen Sprachressourcen gezielt nutzbar macht.

Dadurch entsteht ein einheitlicher Markenauftritt – unabhängig davon, in welcher Sprache oder auf welchem Kanal die Kommunikation stattfindet.

Human in the Loop: das Erfolgsmodell moderner AV-Projekte

Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt deutlich, dass künstliche Intelligenz die AV-Branche nachhaltig verändert hat. Prozesse werden schneller, skalierbarer und wirtschaftlicher. Unternehmen können Inhalte heute erheblich effizienter lokalisieren und weltweit verfügbar machen.

Gleichzeitig kristallisiert sich jedoch auch heraus, dass Automatisierung allein kein Garant für Qualität ist. Die besten Ergebnisse entstehen dort, wo Technologie und menschliche Expertise gezielt ineinandergreifen.

Mit dem „Human in the Loop“-Ansatz verbinden wir bei Leinhäuser Language Services die Stärken beider Welten. Die KI übernimmt repetitive und zeitaufwendige Aufgaben, während unser versiertes Team sicherstellt, dass das Resultat inhaltlich, sprachlich und kreativ überzeugt.

Die Zukunft ist hybrid

Künstliche Intelligenz wird die Audiovideo-Lokalisierung weiter revolutionieren. Doch gerade weil die Technologie immer leistungsfähiger wird, verliert die humane Komponente nicht an Bedeutung – im Gegenteil: Sie gewinnt weiter an Gewicht. Denn letztlich entscheiden nicht Algorithmen über Wirkung, Verständlichkeit und Markenidentität, sondern Menschen.

Die Zukunft der AV-Lokalisierung wird weder vollständig automatisiert noch ausschließlich manuell sein. Entscheidend ist die Fähigkeit, KI-Systeme gezielt dort einzusetzen, wo sie Mehrwert schaffen, und menschliche Expertise dort einzubringen, wo Qualität, Kontextverständnis und sprachliche Präzision gefragt sind.

Sie benötigen professionelle Unterstützung für Ihr nächstes AV-Projekt? Das erfahrene Team von Leinhäuser Language Services berät Sie gerne zu Ihren Möglichkeiten.

Redaktionsteam Leinhäuser

Sprachen sind unsere Leidenschaft. Deswegen nehmen wir regelmäßig auch aktuelle Entwicklungen und neue Tools unter die Lupe, die sich auf die Welt der Kommunikation auswirken. In verschiedenen Blogbeiträgen teilen unsere internen Expertinnen und Experten ihr Wissen und ihre Erkenntnisse zu spezifischen Bereichen unseres Portfolios und beleuchten wichtige Zukunftstrends für unsere Branche. Von kreativem Schreiben über Nachhaltigkeitsberichte bis hin zur Programmierung – jedes Mitglied unseres Teams zeichnet sich durch ein einzigartiges Profil aus und trägt so einem vielfältigen Gesamtbild bei.